Hiraeth -Heimweh nach Geborgenheit: Sehnsucht nach einem Zuhause, welches es nie gab.
Hiraeth (walisisch, gesprochen: chiraith).
Ein tiefes Heimweh nach einem Ort, an den man nicht zurückkehren kann. Ein Sehnen nach einem Zuhause, das niemals war. Die Trauer um etwas, das verloren ist – ein Verlangen nach einer Geborgenheit, die unerreichbar scheint.
Es ist schwer, dieses walisische Wort exakt zu übersetzen. Es ist weniger ein Begriff, sondern vielmehr ein Zustand: Ein inneres Verlorensein. Etwas, das man schmerzhaft vermisst, obwohl man es vielleicht nie hatte.
Auch wenn der Waliser kulturell etwas anders damit verbindet, so fand ich dieses Wort doch immer treffend für das Gefühl, das Kinder psychisch kranker Eltern irgendwann in ihrem Leben empfinden.
Wenn die Kindheit zu früh endet: Die Rolle der kleinen Erwachsenen
Vielleicht kennst du dieses Gefühl. Du hast im Leben schon viel reflektiert, hast vielleicht schon Therapien hinter dir. Du bist vielleicht selbst schon Mutter… und dann, in manchen Momenten überkommt dich dieses Gefühl von Trauer, auf das du deinen Finger nicht genau legen kannst, woher es kommt.
Irgendetwas fehlt.
Häufig passiert das in Momenten, in denen du dich erschöpft oder überfordert fühlst. Wenn die Wellen des Alltags hochschlagen und du dir einen „Felsen in der Brandung“ wünschst. Du sehnst dich nach dem emotionalen Halt einer Mutter oder eines Vaters. Nach den Menschen, die dein Anker in dieser Welt hätten sein sollen – es aber aus ihren eigenen Wunden heraus einfach nicht sein konnten.
In diesen Momenten wird dir vielleicht bewusst, wie oft du für deine Mutter die Elternrolle übernommen hast.
Vielleicht hast du schon von klein auf versucht, möglichst unsichtbar zu sein, um deine Eltern nicht zu belasten. Hast deine eigenen Bedürfnisse klein gemacht um sie nicht zu überfordern. Musstest all deine Antennen auf Empfang stellen, um mögliche Konflikte zu schlichten, Stimmungen zu scannen und zu versorgen, wo du eigentlich hättest versorgt werden müssen.
Die Psychologie spricht hierbei oft von Parentifizierung: Kinder, die viel zu früh die emotionale Verantwortung für ihre Eltern übernehmen.
Eine Last, die kein Kind tragen sollte. Und doch eine Realität, die in unserer kaputten Welt so oft tiefe Spuren hinterlässt.
In diesen diffusen Gefühlsmomenten kommt diese Sehnsucht hoch. Kind sein zu können, sich anzulehnen, die Fragen des Lebens beantwortet zu bekommen oder auch einfach nur das deine Mutter dich in den Arm nimmt und versteht.
Oft genug passiert das nicht, manchmal nie.. und der Schmerz ist schon lange bevor die Eltern nicht mehr sind.
Du willst Nähe, dann aber wieder doch nicht, weiil Du dich zwischen Zorn, Verbitterung und Verletzung aufreibst an den Glaubensfestungen deiner Eltern, die Du nicht einreissen kannst und die sich vielleicht sogar in dir selbst weiter aufgebaut haben.
Vielleicht kennst du diesen leisen, bangen Gedanken: Was passiert, wenn Vater oder Mutter einmal gehen?
Es ist nicht nur die Angst vor dem Abschied. Es ist der Schmerz darüber, dass der Tod die allerletzte Illusion begraben wird – die tiefe, geheime Hoffnung, dass sie sich irgendwie doch noch ändern, doch nochmal alles anders und gut wird.
Und dir wird bewusst, Wenn du diesen Verlust nicht schon zu Lebzeiten verarbeitest, bleibt am Ende eine Leere, die dir den Atem nimmt.
Der Spuk mit den tausend Gesichtern: Wie unsichtbare Prägungen weiterwirken
Wenn in den prägenden Jahren so etwas grundlegendes fehlt. Sowas existentielles wie Sicherheit, bedingungslose Annahme und emotionale Geborgenheit, dann hinterlässt das tiefe Kerben.
Und jedesmal wenn im Leben eine Situation eintritt, die auch nur ein bisschen dieses Gefühl wieder hervorruft wird die Kerbe grösser.
Wenn deine Kindheit ein ständiger Kampf war, wie soll denn dein vegetatives Nervensystem etwas anders als Krieg kennen?
Solche chronischen emotionalen Belastungen nennen Psychologen „Komplexes Trauma“ oder auch komplexe PTBS.
Egal wie man es nennen mag. Es ist ein Spuk mit tausend Gesichtern und Facetten.
- Manche entwickeln Verlustängste, Bindungsprobleme oder rutschen in tiefe Erschöpfung und Depressionen.
- Andere flüchten sich tief in die Socialmedia- oder Gamingwelt. Verlieren sich in im Shopping oder finden sich in einer Pornosucht wieder Alkohol und Drogen sind nicht die einzigen Dinge mit denen Menschen versuchen ihre innere Leere zu betäuben.
- Viele werden innerlich hart, funktionieren perfekt nach außen hin, lassen aber kaum noch echte Gefühle zu. Sie fühlen sich im Leben oft „zu viel“ und wollen sich am liebsten unsichtbar machen.
Oft sind es gerade die toughen unabhängigen Personen, die still leiden.
Ich könnte hier noch lange weiterschreiben.. am Ende aber vereint all diese psychologischen „Erkrankungen“ eines.. tief im inneren sitzt ein kleines Kind das die Leere nicht füllen kann.
Alle diese Menschen haben schon sehr früh gelernt ihre Eltern zu „lesen“
Wie mit extralangen Antennen ausgestattet, haben sie perfektioniert die Gefühle und Bedürnisse der Mutter zu erspüren um Konflikte zu vermeiden, Liebe zu erbitten zu Gelegenheiten wo es möglich war
Als Erwachsene sind das häufig auch die Frauen, die hypersensibel und empathisch reagieren. Viele dieser Menschen versuchen auch als Erwachsene noch, ihre Eltern zu retten.
Gelernt ist halt gelernt…
Warum das Reden oft nicht reicht: Glaubensfestungen im Unterbewusstsein
Das sind häufig keine Glaubensätze mehr, das sind Bastionen. Schutzmechanismen die sich um diese Bastionen verteilen. Meterdick und Turmhoch erheben sich diese Glaubensfestungen genau dort, wo sie so tief verankert sind, das sie unerreichbar sind- in unserem Unterbewusstsein.
Dort, wo auch die automatischen Programme ablaufen, die wir rational total als bescheuert erfassen aber nicht ändern können.
Häufig stoßen klassische Therapien, aber auch rein gesprächsorientierte Beratung bei solchen Bollwerken an ihre Grenzen. Intellektuell versteht man das alles, emotional tritt man auf der Stelle.
Säkular gesehen. Wie Hypnose-Beratung tiefere Ebenen erreichen kann
Hier kann Hypnose eine Unterstützung sein, um auf diese tiefere Ebene zu gelangen. Den inneren Kritiker leiser schalten. Das vegetative Nervensystem zur Ruhe kommen zu lassen, sozusagen einen Waffenstillstand hervorzurufen, um in der Stille und der vollkommenen Konzentration anzuklopfen, um dieses kleine Kind im Inneren der Bastion zu erreichen.
(Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie dieses Werkzeug dir ganz persönlich neue Wege eröffnen kann, schreib mir einfach eine Nachricht – ich erkläre dir die Details gerne in einem unverbindlichen Gespräch).
Christlich gesehen. Was sagt eigentlich die Bibel zu „komplexen Traumata“?
Die Bibel spricht nicht von „komplexem Trauma“ und findet keine Schubladen für die Leiden unserer Seele.
Aber sie ist voll von Beschreibungen wie solche emotionale Verletzungen Türen öffnen können, durch die die Dunkelheit in eine Seele eindringen und sich festsetzen kann. In unseren Herzen, in unserem Inneren. Und wie sie uns manchmal von Innen heraus zerfrisst und unser Denken, unsere Gefühle und unser Verhalten prägt.
Die Bibel nennt es auch nicht Glaubensätze, sie nennt es Festungen. Festungen die sich gegen die Wahrheit Gottes aufgerichtet haben. Unsere säkulare Welt nennt es die Überzeugungen und vehementen Schutzmechanismen die so tief verankert sind, das sie rational kaum zu erreichen sind.
Wenn du bis hierhin gelesen hast, fragst du dich vielleicht: Was ist denn die Wahrheit dieses Gottes? Sie ist so kurz wie unfassbar: Du bist bedingungslos geliebt.
Und in dieser Liebe darfst Du in kleinen Schrittchen Stück für Stück heilen.
Ich weiss, das sich die Ausage Gott ist Liebe für viele Menschen mit Vorgeschichte wie Hohn anhört. Menschen, die als Kind keinen sicheren Hafen, keine liebende Mutter, keinen beschützenden Vater hatten, für die ist dieses Konzept des „liebenden Gottes, des Vaters“ schwer zu greifen.
Als ehemalige Atheistin weiss ich das nur zu gut.
Wenn das eigene Nervensystem gelernt hat ständig in Gefahr zu sein, der Verstand erlernt hat, das man nicht vertrauen kann, nicht die Zügel aus der Hand geben darf. Keine Angriffsfläche bieten darf.. gleichzeitig aber auch den Gedanken nicht loswird, wertlos zu sein. Dann ist es unfassbar schwer sich auf einen Gott einzulassen, dessen Buch seine Liebe und Geborgenheit verspricht (…und über den soviel Falsches erzählt wird)
Ein Weg der Schritte: Dein Herz darf weich werden
Doch Gott wird in den Psalmen nicht ohne Grund der „Vater der Waisen“ genannt (Psalm 68,6) und er verspricht, „die zu heilen, die ein zerbrochenes Herz haben“ (Psalm 147,3).
Die Bibel verspricht Heilung, aber sie sagt auch das Heilung ein Weg ist. Aufarbeiten und Weichwerden passiert nicht über Nacht.
Gott drängt sich dir nicht auf – er lädt dich ein.
Er möchte das was zerbrochen ist nicht einfach irgendwo hinkehren oder übertünchen. Er möchte es vielmehr wie in der japanischen Kunsttradition des Kintsugi kitten – wo zerbrochene Keramik mit flüssigem Gold geklebt wird, sodass die Bruchstellen die Keramik schöner werden lässt als zuvor
Er reicht dir seine Hand um mit dir gemeinsam an deinen Wunden, Verletzungen und and einen Glaubensfestungen zu arbeiten.
Er hilft dir, aus deinem harten Herzen – das sich so lange selbst schützen musste – wieder ein Herz zu machen, das in Sicherheit, Geborgenheit und Liebe schlagen darf. Ein Versprechen, das was immer auch passiert, er dein Herz hält und beschützt.
Wollen wir darüber reden?
Wichtiger Hinweis zu diesem Beitrag. Ich bin keine Psychologien oder Therapeutin, sondern begleitende christliche Beraterin für Menschen in Lebenskrisen.. In meinen Beitragen teile ich mein Wissen zur Orientierung oder zur Begleitung in harten Zeiten.
Es ist mir rechtlich nicht gestattet Diagnosen zu stellen oder Heilversprechen abzugeben.. Wenn Du dich in diesem Text wieder erkennst heisst das nicht das Du an einer der genannten Störungsbildern leidest.
Für eine medizinische oder psychotherapeutische Diagnose wende dich bitte an entsprechende Fachärzte oder Therapeuten. Solltest du dich in einer akuten Krise befinden, wähle bitte umgehend die Nummer des Krisendienstes Bayern: 0800 / 655 3000 (kostenfrei und rund um die Uhr erreichbar).
Du bist nicht alleine, auch wenn Dein Kopf dir das vielleicht einreden möchte!
Du bist geliebt und wichtig. Dies ist eine Wahrheit die so unerschütterlich ist, wie die Sonne jeden Tag aufgeht.
